• Übertragungslinie


    Es gibt mehrere Übertragungslinien, die sich seit dem entstehen des Tai Chi Chuan entwickelt haben. Jede Schule, jeder Lehrer hat seine eigene Linie, von der er gelernt hat, und nach deren Prinzipien er Unterrichtet. So kommt es, dass man fünf Tai Chi Übende aus fünf verschiedenen Schulen sieht, die im Prinzip alle die "Lange Yang Form" laufen, es jedoch teilweise stark unterschiedlich aussieht. Dies erklärt sich durch die verschiedenen Schwerpunkte, die die einzelnen Lehrer der Übertragungslinien gesetzt haben, z.B. auf Entspannung, Entwicklung von innerer Kraft, Kampfanwendungen, usw.
    Dies nun ist die Linie auf deren Übertragung durch verschiedene Linienlehrer wir uns stützen....



    Chang San Feng
    (1391?-1459?)

    Im 13. oder 14. Jahrhundert soll der taoistische Mönch Chang San Feng der Legende nach in den Wudang-Bergen (Zentralchina, in der Provinz Hubei) verschiedene Kampfkünste miteinander verwoben und daraus die Tai Chi Chuan Ursprungsform (die „13 Stellungen") geschaffen haben.





    Yang Lu Chan
    (1799-1872)

    Yang Lu Chan („der Unüberwindliche“) lernte den Tai Chi Chuan-Stil der Chen-Familie, der über 12 Generationen hinweg nur im innersten Familienkreis gelehrt wurde, aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten, und entwickelte ihn weiter. Er schuf eine Kombination aus 50% äußerer Kampfkunst und 50% Chi (Innere- / Lebensenergie), womit er aus beiden Richtungen die effektivsten Techniken miteinander verschmolz.




    Yang Cheng Fu
    (1883-1936)

    Yang Chen Fu, der Enkel von Yang Lu Chan, auch bekannt als „der Unbesiegbare“, formte die heute bekannte lange Yang-Form im Tiger/Kranichstil und machte den bisher im kleinen Kreis gelehrten Familienstil einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Die nur in der inneren Familie gelehrte Art des Formlaufs, den Schlangenstil, gab er an seinen Sohn Yang Sau Chung weiter.
    Er formulierte die „10 Prinzipien„ des Tai Chi Chuan, die bis heute gültig sind.



    Yang Sau Chung

    (1910-1985)

    Yang Sau Chung, der älteste Sohn von Yang Cheng Fu, begann sein Training mit 8 Jahren unter der strikten Aufsicht seines Vaters.
    Mit 14 begann er, seinem Vater beim Unterricht zu assistieren. Als er 19 Jahre alt war, unterrichtete er Mitglieder der chinesische Regierung und reiste durch ganz China, um seinem Vater bei der Verbreitung des Yang-Stils zu unterstützen.
    Von ihm stammen die 13 Prinzipien, die die 10 von Yang Chen Fu weiter ausführen. Er gab den "Schlangenstil" an seinen ältesten Meisterschüler und Linienhalter sind Ip, Tai Tak weiter.






    Ip Tai Tak
    (1929 - 2004)

    Ip Tai Tak war der 1. Meisterschüler von Yang Sau Chung und lernte 24 Jahre bei ihm. Er lebte und unterrichtete in Hong Kong, und ernannte seinerseits John Ding zu seinem 1. und Bob Boyd zu seinem 2. Meisterschüler. Bob Boyd erhielt von ihm den kompletten Schlangenstil übertragen, mit der Erlaubnis diesen bislang nur intern gelehrten Stil weltweit öffentlich und ohne Vorbehalte für alle interessierten Tai Chi Praktizierende zu lehren.


    Bob Boyd
    (1949*)

    Bob Boyd wurde von Ip Tai Tak als zweiter Meisterschüler angenommen, und bekam die komplette Unterweisung des bislang nur in der inneren Yang Familie gelehrten Stils, dem so genannten Snakestyle. Der Snakestyle ist äußerlich dem allgemein gelehrten Tai Chi Chuan der Yang Familie sehr ähnlich, beinhaltet aber tiefergehende Unterweisungen und präzisere Definitionen der Prinzipien mit deutlich intensiveren Wirkungen sowohl auf der gesundheitsfördernden- als auch
    auf der kampftechnischen/SV Seite.

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